
Tägerwilen-Chastel
Ruine Chastel saniert
Ob Tägerwilen beherrscht die Burgruine Chastel - einst eine der grössten derartigen Anlagen im Bodenseeraum - wieder die Höhe des Seerückens. Heute bildet sie zusammen mit dem später erbauten Schloss Castell ein einzigartiges Kulturdenkmal, das ein beliebtes Ausflugziel ist.
Mehr Informationen unter Tafeln im Gelände und in der Zeitschrift "Mittelalter" 2008/2.
Die Burganlageist im 12.Jahrhundert entstanden; eine Chronik nennt den Konstanzer Bischof Ulrich I (1111-1127) als Erbauer. Schon kurz nach dessen Tod des wurde sie von seinem Nachfolger Ulrich II. wieder abgetragen, weil er befürchtete, dass die Burg als Stützpunkt gegen die Stadt Konstanz verwendbar gewesen wäre. Das nächste gesicherete Datum über Chastel ist das Jahr 1269. Schon in der Mitte des 12. Jhs. tauchen die Herren von Kastell (Chastel) auf, die in verschiedenen Funktionen der Administration und des Klerus im Konstanzer Bistum bis ans Ende des 14. Jhs. eine Rolle spielen. Die Burg wird spätestens im frühen 13. Jh. wieder aufgebaut worden sein, zu einer Zeit eines eigentlichen Burgen-Booms im Thurgau. Ab etwa 1300 nutzten die Bischöfe von Konstanz die Anlage regelmässig und wohnten auch hier. Die Burg gelangte 1364 an die Familie von Roggwil, 1453 wurde sie vom Bischof von Konstanz wieder zurück gekauft. Ihr Ende findet die Bischofsburg am 11. März 1499 im Schwabenkrieg: sie wird von den Eidgenossen abgebrannt. Sie ist danach nicht mehr aufgebaut worden.
Westlich der Ruine entsteht 1725 das Schloss Castell, eine Renaissance-Villa, vom damaligen Besitzer Daniel hermann Zollikofer erbaut, wofür sicher Steine von der Ruine verwendet wurden. Wie Ansichten aus dem 18. und 19. Jh. zeigen, stand im Bereich der Burg aber weiterhin ein kleineres Gebäude und auch der Westturm wurde einigermassen unterhalten.
Die Ruine scheint in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. ein erstes Mal saniert worden zu sein. Bei dieser Gelegenheit baute man wahrscheinlich auch den Turm zu einem Aussichtsturm aus. Gut möglich, dass Baron Max von Scherrer, der Ende des 19. Jhs. umfangreiche Bauarbeiten am Schloss durchführte, der Urheber war.
Längere Zeit gab es keine Unterhaltsarbeiten mehr, und der Zustand der Mauerpartien hat sich ständig verschlechtert, so dass in den 1980er Jahren ein erstes Sanierungskonzept ausgearbeitet wurde ist. Bei dieser Gelegenheit nahm das Amt für Archäologie auch einen genauen Grundrissplan der Burg auf. Leider scheiterten diese Sanierungsbemühungen. 2007/08 wurden Westturm und Südmauer des Palas gesichert und die nötigen Restaurierungen gemacht.
Die 120 Meter lange und etwa 20 Meter breite Anlage liegt auf einem künstlich abgetrennten Hügel. Im tiefen Graben gegen Süden lag früher ein flacher Weiher, der heute vollständig verlandet ist.
Im Westen dominiert ein rechteckiger, etwa 15 m hoher Turm, der ursprünglich nur über einen Hocheingang betreten werden konnte. Im Innern der Burg liegt ein mächtiger rechteckiger Grundriss aus grossen Bollensteinen, der als Bergfried interpretiert werden kann. Im Südosten ist ein kleiner Rundturm in die Umfassungsmauer eingelassen, der vielleicht einmal auch ein Pendant im Norden besass.
Die noch mehrere Meter hoch erhaltene Mauer gegen Süden verdankt ihre Erhaltung wohl dem einmal hier angebauten Gebäude. Ob die Mauer einst die Aussenwand des Palas - des Saalgebäudes - gebildet hat, müssen Untersuchungen noch zeigen. Der Zugang zur Burg erfolgte auch früher entlang des heutigen Weges nördlich des Westturmes.
Im ganzen Kanton Thurgau sind nur rund zehn Burgruinen noch als solche erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich. Burg Chastel ist eine der wichtigsten davon und hat historisch für die Region eine grosse Bedeutung. Die meisten anderen Burganlagen um Konstanz herum sind entweder vollständig verschwunden oder aber später in Schlossanlagen umgebaut worden.
Sanierung 2007/08
Ziel der Sanierung war, die Ruine im jetzigen Zustande für eine bis zwei Generationen zu erhalten. Dies bedeutete in erster Linie die Sicherung und Festigung der Mauern - besonders des Turms - sowie die Pflege von Wald und Umgebung. Die exponierte Lage der Ruine und die hoch aufragenden Teile machten eine recht aufwändige Infrastruktur für Transport der Materialien und Gerüste nötig. Die eigentlichen Baumeisterarbeiten erforderten beträchtliches Know-How und Kenntnisse der alten Handwerkertechniken. 3D-Bild.





